Vorbericht 333.Auktion vom 18.-19.November 2011
10 Jahre "SCHWANKE - SPECIALS"
Österreichs „Zinnoberroter Merkur“
ist eine der seltensten Marken Europas. In gebrauchter Erhaltung sind gar nur 7 (sieben) Exemplare bekannt.Der Frankaturzwang für Zeitungen wurde in Österreich kurz nach Erscheinen des zinnoberroten Merkurs aufgehoben, die noch vorhandenen Restmengen wurden vernichtet. Bis zum Jahre 1879 war man der Ansicht, es gäbe gar keine gebrauchten Stücke dieser Marke.
Dann wurden in Budweis in einer Partie „Kiloware“ (wie man heute sagen würde) neun Exemplare gefunden! Diese Briefabschnitte stammten aus Geschäftskorrespondenzen eines Hopfenhändlers, die dieser für einen Geschäftsfreund, der ein passionierter Briefmarkensammler war, hatte ausschneiden lassen. Und wie es damals üblich war, wurde das Ausschneiden von Briefmarken durch ungeübte Hilfsleute vorgenommen.
Bereits um 1900 vermuteten Österreich-Kenner, dass die wenigen bekannt gewordenen gebrauchten zinnoberroten Merkure aus dem beschriebenen Budweis-Fund stammen. Alle Exemplare zeigen den typischen engen Schnitt, so auch das jetzt bei uns zur Versteigerung gelangende Stück. Eine wundervolle Farbfrische und klare Entwertung der Zeitungsexpedition PRAG zeichnen dieses Stück aus, das letztmalig im Jahre 1951 in London versteigert wurde.
Wir starten mit einem Schätzpreis von 40.000.-- Euro.
Natürlich steht solch eine Weltrarität wie der „Rote Merkur“ im Rampenlicht einer Auktion – aber viele andere Angebote unserer diesjährigen „Specials“ verdienen ebenso Erwähnung.
Da ist zum Einen ein Investment-Bestand DEUTSCHES REICH Flugpost- und Zeppelin-Ausgaben 1924-34 in postfrischen Bogenteilen. Stets sind es doch die gesuchten Sätzen „Südamerika-“, Polar-“ und „Chicago-Fahrt“, die in vielen Deutschland-Sammlungen fehlen, und ich tadelloser postfrischer Qualität sind auch die Flugpostausgaben 1924, 1927 und 1934 gesucht. In dem von uns offerierten Posten sind alles Flugpostausgaben je 80mal und die Zeppelin-Ausgaben jeweils 30mal vorhanden, alles in schalterfrischen Bogenteilen, wie vor 80-90 Jahren an der Post gekauft. In Zeiten von Schulden- und Währungskrisen ist diese Partie zugleich ein Investment in werthaltige Schlüsselausgaben des DEUTSCHEN REICHES. Bei einem Katalogwert von 665.000.- Euro startet dieser Bestand mit einem Schätzpreis von 190.000.-- Euro.
Zum anderen bieten unsere „Specials“ auch dieses Jahr eine ganze Reihe Deutscher und Internationaler Raritäten.
So beinhaltet das Angebot z.B. von BAYERN einen vorzüglichen Dreierstreifen des Schwarzen Einsers (4000.- €), von HANNOVER eine Bogenecke der seltenen 3 Pfg. (Mi.Nr. 20) (Schätzpreis 1200.- €), eine ganze Reihe rarer Stücke von LÜBECK, darunter eine Mi.Nr. 1 mit Rekordränden (€ 1500.-) oder eine Mi.Nr. 2 mit zentrischen Stempel von „Travemünde“ (€ 2000.-). Diese erwähnten Stücke stammen übrigens aus dem Besitz des Baron von Scharfenberg, wurden sämtlich vor 1933 erworben und waren seitdem nicht mehr auf dem Markt erhältlich.


Ein ganz sensationeller Brief gelangt von LÜBECK zur Auktion: Ein Brief aus dem Jahre 1862 mit Preussens Mi.Nr. 16 und 18a frankiert, in Lübeck zur Post gegeben und unbeanstandet befördert, mit dem postalischen Vermerk „Die Marken sind noch gültig, versehentlich abgestempelt“. Ein ganz bemerkenswertes Unikat – ex Boker (Schätzpreis € 10.000.-).
Ein Unikat aus modernerer Zeit ist sicherlich vom DEUTSCHEN REICH die Abart Mi.Nr. 351 I (HUNGR1GEN, also „1“ statt „I“), die, bedarfsmäßig auf einem Poststück verwendet, € 1000.-- kosten soll. Wir können uns nicht erinnern, diese seltene Abart in den letzten 30 Jahren unter dem Hammer gehabt zu haben.
Und gehen wir weiter in die Moderne, so lockt von GROSSRÄSCHEN eine Postanweisung mit zwei Stück der Mi.Nr. V34; es ist der einzige bekannt gewordene Bedarfsbeleg mit diesem Wert, ex Döhnel, Startpreis hierfür € 3000.-.
Internationale Philatelie ist neben dem eingangs erwähnten Österreich-Angebot mit vielen weiteren Stücken am Start: So soll eine einwandfreie „Doppelgenf“ der SCHWEIZ € 10.000.- kosten, eines der schönsten Stücke der 15c. „Rivadavia“ von ARGENTINIEN startet mit € 3500.--, einige Raritäten der Condor-Ausgaben von BOLIVIEN folgen und ein Farbfehldruck von KOLUMBIEN (Mi.Nr. 21 F) in Ausnahmequalität kostet € 2000.-. Weitere schöne Angebote aus der chancenreichen Klassik Südamerikas, so von BRASILIEN, PERU oder VENEZUELA hält der Katalog ebenfalls bereit.


Hohe Werte des BRITISCHEN EMPIRES bereichern den Übersee-Teil. Eine der Legenden der Philatelie ist die „Lady McLeod“ von TRINDAD, eine Marke, die noch vor den „Mauritius/Post Office“-Marken erschien und von der nur knapp 40 Belege bekannt geworden sind. Die Marken wurden durch Federkreuze oder das Abreisen der oberen Markenecken entwertet. Ein solches Stück mit langem „Stammbaum“ aus berühmten Sammlungen, ziert unsere „Specials“ - Startpreis hierfür sind € 4000.-

Ein besonders von uns gepflegtes Gebiet ist stets die Hamburger Post- und Stadtgeschichte.
Erst kürzlich aufgetaucht ist der erste mit einem Postwertzeichen frankierter Brief aus Hamburg. Er stammt aus dem Juni des Jahres 1840 und trägt eine „Penny black“, also die erste Briefmarke der Welt. Ein Hamburger Kaufmann, der an seine Frau in England schrieb, übergab diesen Brief einem Kapitän, der ihn in England mit einem dieser neuartigen Postwertzeichen „freimachte“. Die englische Post beförderte dann den Beleg an seine Destination. Fast 20 Jahre, bevor in Hamburg eigene Briefmarken erschienen, gibt es hier also einen frankierten Beleg – der wahrlich fulminante Beginn einer „Hamburg“-Sammlung! (€ 10.000.-). Passend dazu wäre ein Brief vom 19.Januar 1859, das erste mit einer Hamburger Briefmarke frankierte Poststück! Er trägt eine 9 Schilling gelb und ist nach London adressiert, wo er ausweislich des Ankunftsstempels zwei Tage später ankam. Uns ist kein Beleg bekannt, der ein früheres Stempeldatum aufweist. (Schätzpreis € 10.000.-).
Der große Hamburger Brand des Jahres 1842 war von geradezu apokalyptischen Ausmaßen für die Stadt. Ein sehr großer Teil der Kontorhäuser und Speicher brannte damals ab. Das Unglück wurde zeitgenössisch dokumentiert in den Neuruppiner Bilderbögen, die ersten Photographien entstanden (ein paar Photoplatten existieren noch heute im Hamburger Staatsarchiv) und Hamburg bekam Hilfe aus ganz Europa und sogar aus den Vereinigten Staaten.
Elias Warburg und Salamon Heine waren zu der Zeit zwei Hamburger Kaufleute und Bankiers, die große Vermögen spendeten und viel für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt taten. Beide Namen sind auch noch heute über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.
Zwei Poststücke zeugen von der damaligen Katastrophe:
Elias Warburg schrieb an seine Geschäftspartner, die Gebrüder Rothschild in Paris, am 6.Mai 1842: „...dass unsere Stadt durch eine unerhörte Feuersbrunst heimgesucht worden ist..“ und im Postskriptum: „Die Post hat heute keine Briefe verteilt“. Der von uns angebotene Brief wurde mangels anderer Möglichkeiten privat über die Elbe befördert und von anderen Elbufer aus über das Taxis`sche Postsystem nach Paris befördert. (Schätzpreis € 500.-).
Ein weiterer Beleg ist eine Quittung der Unterstützungsbehörde über den Betrag von 50.000.- Mark Banco, ausgestellt an Salamon Heine, dem Onkel des Dichters Heinrich Heine . Diese Summe war zu der Zeit ein unvorstellbar großes Vermögen. (Schätzpreis € 300.-).
Neben all diesen erwähnten Raritäten und postgeschichtlichen Leckerbissen halten unsere diesjährigen „Specials“ aber auch wieder kleine Lots und Posten sowie Kuriosa bereit. So suchen u.a. zwei originale bayerische Posthörner aus den Jahren 1856 und 1866 neue Liebhaber (Schätzpreis jeweils € 100.-). Erste Versuche von Mitarbeitern, auf diesen Instrumenten sinnvoll zu blasen, wurden dem Vernehmen nach allerdings von der Geschäftsleitung unterbunden.
Einige seltene Münzen finden sich ebenfalls im Angebot, darunter von FRANKREICH ein „Louisdor“ aus dem Jahre 1790 (€ 800.-) oder ein „Sun Yat Sen“ Silberdollar aus CHINA, aus dem Jahre 1932. Die Darstellung mit drei fliegenden Vögeln symbolisierte nach Meinung der chinesischen Regierung den japanischen Angriff auf China, und die Prägung wurde zurückgezogen. (€ 900.-).
Etliche Lose werden zu Gunsten der Philatelistischen Bibliothek Hamburg versteigert. Hierbei handelt sich um Material, das uns von einigen engagieren Philatelisten im Laufe der letzten Monate zum Verkauf überstellt wurde; andere Lose stammen aus Versicherungsschäden, z.B. vom Starkregen im Juni 2011 in Hamburg beeinträchtigte Ware, die nun um jeden Preis veräußert werden soll.
Für Stimmung im Auktionssaal sollte gesorgt sein.
Neben unseren „Specials“ gibt es natürlich noch den Hauptkatalog. Mit immerhin über 4000 Losen enthält er ein stattliches Angebot von ca. 2600 Einzel- und 1400 Sammellosen.
Bei den europäischen Ländern erwähnen wir Italien (mit schönen und seltenen Marken Italienischer Staaten (ca. 50 Lose) sowie einem guten Querschnitt vom Königreich über Nachkrieg (dabei die seltenen Paketmarken Nr. 67-80 und Nr. 81 postfrisch, € 800.- bzw. € 1200.-) bis hin zu den Italienischen Kolonien. Hier sind u.a. die Dienstmarke Nr. D2 vom Italien.Somaliland (€ 700.-) sowie einige Blockstücke italienischer Portomarken in Tripolitanien verwendet, zu nennen.
Ein rundum starkes Österreich-Angebot wird Liebhaber klassischer Marken ebenso erfreuen wie viele postgeschichtlich bedeutende Stücke der Österreichischen Auslandspostämter. Ein „Gelber Merkur“ (€ 3000.-), ein „Rosa Merkur“ (€ 4000.-), ein Auslandsbrief „Feiner Druck“ (Mi.Nr. 37 II, 39 II) nach Frankreich (€ 3000.-) und eine Einzelfrankatur der Mi.Nr. 41 nach England (€ 1500.-) sind die hervorragendsten Stücke im Österreich-Teil, während im Levante-Teil unbedingt ein Wertbrief mit 4x Mi.Nr. 61, also dem Höchstwert 20 Piaster , von Saloniki nach nach Budapest (€ 2000.-) und eine Bedarfsfrankatur der seltenen Mi.Nr. 62 auf Ansichtskarte (€ 1200.-) genannt werden sollten. Beim Türkei-Angebot fällt die 1916er-Ausgabe „Fünfstrahliger Stern“ (Mi.Nr. 388-475) in postfrischen Viererblocks ins Auge. Diese Marken werden nur als „ungebraucht“ im Michel geführt und sind – mit Auflagen von teils nur 1200 Exemplaren – in „postfrisch“ kaum zu finden (€ 2000.-).
Über 40 Lose VR China, insbesondere die gesuchten Blockausgaben in postfrischer Qualität, sollten allesamt einen Käufer finden; im Übersee-Teil nette Abteilungen sind noch einige Briefe von Spanisch-Westindien sowie gute Stücke aus dem Bereich der Südamerika-Philatelie.
Fast 150 Lose Philatelistische Literatur und 140 Lose Münzen – von der Antike bis zur Gegenwart, dabei originelle antike Stücke aus heute sehr bekannten Urlaubsorten wie Ibiza, Karthago oder Pergamon, komplettieren das Angebot.
Wie immer stark „Deutschland mit allen Gebieten“, dabei im Altdeutschland-Bereich HAMBURG und OLDENBURG, von SCHLESWIG-HOLSTEIN ein Brief 1868 nach China, oder von WÜRTTEMBERG einige interessante Vorlage- und Probedrucke.
DEUTSCHES REICH und Gebiete bieten den üblichen breiten Querschnitt mit etlichen Highlights, DEUTSCHLAND nach 1945 feiert die Bauten-Serie der Bizone mit der Auflösung einer Spezialsammlung von über 120 Losen, nach Zähnungen, Typen und Abarten, dabei auch einige Plattierungen, Urblocks, Plattennummern, Retuschen usw. Nachkriegs-Standards wie Rot-Aufdrucke, Währungsblocks, Posthorn etc. sind in Hülle und Fülle im Angebot, zudem sind die Preise für dieses Material derzeit ziemlich im Keller („voll“ attestierte Posthornsätze zu jeweils 750.- Euro, „nur signierte“ Sätze zu 400.-€ usw.), so dass auch dieses Material wieder in den Fokus des Interesses rücken dürfte.
Das Sammlungsangebot sollten Sie selbst ansehen. Ein Händlernachlass ist dabei, sinnvoll aufgeteilt in Länderposten (Gesamtschätzwert ca. 50.000.- €), gut ausgebaute Ländersammlungen diverser altdeutscher Staaten, dann im Auslandsbereich sehr reichhaltige Sammlungen Skandinavien, Grossbritannien (60 Lose), Österreich und Schweiz, Französische Kolonien, China (20 Sammlungen, von Kaiserreich bis Volksrepublik), dazu Motivsammlungen und 55 Positionen „Münzen“.
Das Gesamtangebot umfasst 4300 Lose mit einem Schätzwert von rund 1,5 Mio. Euro.
Der Katalog wird online ab dem 17.10. zu sehen, die Printversion geht ab dem 19.10. zur Post.