Es war zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Wunsch der habsburgischen Regierung, eine Verbindung vom Reichsgebiet zum Ägäischen Meer zu bekommen. Dies führte zum Bau einer Eisenbahnlinie vom Hafen SALONIKI durch damals türkisches Territorium in das Gebiet von Bosnien-Herzegowina.
Einerseits ließ die ständige Zunahme von Warenströmen und der Bedarf an schneller Kommunikation den Wunsch aufkommen, entlang der Strecke neue österreichische Postämter einzurichten, andererseits war nach dem Berliner Kongress von 1878 die politische Situation eher auf ein „Zurücknehmen“ europäischer Einflussnahme im osmanischen Reich eingestellt.
Da es also keine neuen Levantepostämter geben durfte, kam man auf die Idee, „Zweigpostämter“ einzurichten – eine „Schwejkiade“ aus der kuk-Zeit, die für Philatelisten bemerkenswerte Spuren hinterließ.
Das österreichische Postamt in Saloniki am Ägäischen Meer bekam im Zuge dieser postalischen Schlitzohrigkeit vier Zweigpostämter, die zum Teil ein paar hundert Kilometer vom Hauptpostamt entfernt waren, nämlich in den Orten „Monastir“, „Üsküb“, „Prizren“ und „Mitrowitz“.
Die verwendeten Poststempel unterscheiden sich durch den jeweiligen Anfangsbuchstaben der genannten vier Orte, die der Bezeichnung SALONICH nachgesetzt wurden, und weil es mit „Monastir“ und „Mitrowitz“ zwei Orte mit dem Anfangsbuchstaben „M“ gibt, hießen die Abkürzungen SALONICH M, SALONICH MI, SALONICH Ü und SALONICH P.
Die Dokumentation dieser postgeschichtlichen Delikatesse ist ein Highlight in der
zur Versteigerung gelangt.
Neben diesem Los (Schätzpreis € 2500) fallen besonders schöne und klare Entwertungen auf den verschiedenen Ausgaben der österreichischen Levantepost ins Auge. Wir nennen an dieser Stelle den Lloyd-Stempel BERUTTI auf Brief von 1855 (€ 850), den Stempel von CESME auf Brief 1905 (€ 750) oder Raritäten wie die Entwertungen von CZERNAWODA (€ 350), LEROS (€ 400), SINOPE (€ 350), TENEDOS (€ 150) und TULTSCHA (€ 350). Etliche Entwertungen, die in der „Bailev“-Sammlung enthalten sind, stammen aus berühmten Sammlungen wie „Steindler“ oder „Jerger“ und sind oft nur in wenigen Stücken überhaupt belegt.
Internationale Beachtung verdient im weiteren Verlauf der Auktion die Auflösung der
Jürgen Zahn – Sammlung „Äthiopien“.
Angeboten in 167 Losen entfaltet sich die Postgeschichte des Landes von Belegen der Napier-Expedition aus den Jahren 1867-68 bis hin zur Neuzeit.
FIELD FORCE POST OFFICE ABYSSINIA 11 JA 68 lautet der Stempelabschlag auf einem Brief des Afrikareisenden Gotthard Rohlfs nach Gotha. Rohlfs hatte im Auftrage des preußischen Königs an der Napier-Expedition teilgenommen, wohl auch, um koloniale Möglichkeiten Preußens auszuloten. (Startpreis € 750). Einen Artikel aus der DBZ zu diesem Thema können Sie hier herunterladen (Quelle: DEUTSCHE BRIEFMARKEN-ZEITUNG 16/2010 vom 30.07.2010).
Selten und dekorativ ist frühe Post aus dem Land nach Europa. Als repräsentative Beispiele nennen wir an dieser Stelle: Mi.Nr. 1 und 2 auf Brief aus 1898 von „Entotto“ in die Schweiz (€ 500), eine Karte aus „Dire Doua“ 1907 nach Griechenland (€ 300) oder eine Ganzsachenkarte aus dem Jahre 1905 von „Harar“ nach Frankreich (€ 500). Das Angebot enthält auch den „Vier-Provinzen-Block“ aus dem Jahre 1894, der – mit einer Auflage von nur 200 Stück – nur an hochgestellte Persönlichkeiten verteilt wurde. Dieser Block, der von der äthiopischen Postverwaltung als offizielle Ausgabe gelistet wird, wird von vielen Sammlern gern als erster Markenblock der Welt bezeichnet (€ 200). Die Jürgen Zahn – Sammlung enthält neben dem „normalen“ Markenmaterial auch sehr viele Probedrucke, Vorlagebögen und Studienmaterial zu den verschiedenen Aufdruckserien. In 16 Positionen gelangt zudem die Literatur zum Sammelgebiet zur Versteigerung.
Ein weiterer Schwerpunkt im ÜBERSEE-Bereich sind ca. 500 Lose der Britischen Kolonien, die ein sehr ausgewogenes Angebot der Ausgaben von „Victoria“ bis „Georg V“ darstellen. Viele hohe Pfund-Werte , wie z.B. 5 Pfund von Sierra Leone (€ 600) sind sowohl in ungebrauchter als auch in gestempelter Erhaltung im Auktionskatalog zu finden.
Gut 230 Lose philatelistischer Literatur, darunter große Teile der Jürgen Zahn – Bibliothek, insbesondere zu überseeischen Gebieten, komplettieren das Einzellos-Angebot ausländischer Sammelgebiete.
Von vorzüglichen Exemplaren der Markenklassik bis hin modernen Raritäten aus der Produktion der Bundesdruckerei reicht die breite Palette.
Aus der Fülle an Seltenheiten sei das nachfolgende gute Dutzend genannt:
BAYERN Mi.Nr. 1 II a Luxusbriefstück (€ 1300), von BREMEN die seltene Mi.Nr. 5 c mit Stempel von „Vegesack“, attestiert als „eines der am besten erhaltenen Exemplare dieser seltenen Marke“ (€ 1000), ein umfangreiches Angebot „Hamburg-Stempel“ (50 Lose), HANNOVER mit fast 100 Positionen, dabei wundervoll klare Stempel, oft auf Luxusbriefen oder -briefstücken, von THURN & TAXIS der wohl schönste Neujahrs-Zierbrief aus „Weimar“ (€ 1100), oder ein Ausnahmestück der WÜRTTEMBERG Mi.Nr. 15 gestempelt (€ 500).
Das reichhaltige Angebot DEUTSCHES REICH (insgesamt 450 Lose) glänzt u.a. mit seltenen Markenheftchen, darunter MH Nr. 16 (€ 2800) und MH Nr. 22.2 (€ 3800) jeweils postfrisch und in taufrischer, überdurchschnittlicher Erhaltung mit neuesten Fotoattesten.
Die DEUTSCHEN GEBIETE sind wie gewohnt gut vertreten, es seien eine „50 Pfennig Handstempel“ der Dt. Post in China (€ 3000) oder von DEUTSCH-NEUGUINEA die kaum angebotene 5 Mark mit WZ in guter Type (Mi.Nr. 23 II B II) in postfrischer Luxusqualität (€ 1000) erwähnt.
Erlaubt sei noch ein kurzer Blick auf das Angebot „Deutschland nach 1945“:
Auch für uns eine Überraschung war das Auftauchen eines Poststückes vom 28.6.1945 aus Schlesien (Eulengebirge). Im Glatzer Bergland, das noch nicht komplett von Polen übernommen war, wurde der Postdienst noch bis zum August 1945 von deutschen Beamten versehen. Das angebotene Stück aus „Heidersdorf“ ist der bisher einzig bekannt gewordene Beleg aus diesem kleinen Gebiet – Post aus dem „Stettiner Zipfel“ ist dagegen fast Massenware! (Startpreis € 1000).
Erwähnenswert sind von der SBZ seltene Wasserzeichen-Varianten, die nicht alle Tage angeboten werden, so z.B. Mi.Nr. 68 Y, „5 Pfg. WZ steigend“ als postfrisches Bogenrandstück (€ 5000).
„Bezirkshandstempel können wir auch...“ - in gut 65 Positionen gelangt eine Spezialsammlung des Gebietes „38“ zur Auktion, darunter seltene Stempel und hohe Werte bis 5 Mark Taube, z.B. „38 Greifswald“, fremdverwendet in „Garz auf Rügen“ (€ 1000).
Selten ist auch eine Ziffern-Ganzsache 45 Pfg. „37 Wismar“, die als Not-Paketkarte Verwendung fand (€ 1000).
Wenn wir zum Schluss noch einmal über die Produkte der Bundesdruckerei sprechen:
was sind verschnittene Kleinbögen, Folienblätter mit Materialfehlern, ungezähnte oder mit Fehlfarben gedruckte Neuheiten gegen ungezähnte Posthornwerte, z.B. einer 80 Pfg. mit zudem noch Wasserzeichenabart und vom Bogenrand in postfrischer Luxuserhaltung (Mi.Nr. 137 Y U, Startpreis € 1000) ? Den Spezialisten bietet unser Angebot jedenfalls viele Möglichkeiten.
„Nur“ knapp 1400 Lose bietet das Sammlungsangebot.
Zwar gibt es nur wenige sogenannte „Regalbestände“ aus der Abteilung der „Kartonphilatelie“, aber schon das erste Objekt, eine Generalsammlung aus dem Jahre 1914 aus prominentem Hamburger Familienbesitz, macht Appetit. Beginnend mit einem Altdeutschland-Teil in ganz überdurchschnittlich guter Qualität finden sich die Ausgaben des Deutschen Reiches, der Kolonien sowie einige sehr gut besetzte europäische und überseeische Länder in einem alten Schwaneberger-Album (€ 5000).
Viele weitere komplette Nachlassposten sowie eine ganze Reihe gut ausgebauter Länder- und Spezialsammlungen folgen, dabei eine Spezialsammlung „Bundesrepublik“ in 57 Lindner-Alben (€ 5000) oder eine fast durchgängig postfrische Sammlung „Österreich“ bis 1938 (€ 6000). Ein großes Angebot an Länder- und Gebietssammlungen „Übersee“ mit Schwerpunkt bei den Britischen Kolonien verdient Beachtung. Mit dabei u.a. eine Sammlung „Hongkong“ (€ 4500), zwei Sammlungen „Ceylon“ (€ 2000 bzw. € 1000) und eine Sammlung der „Brit. Südafrika-Gesellschaft“ , dabei die Double Heads und Admirals bis 1 Pfund, teils mehrfach (€ 1500).
Motivsammlungen, Ansichtskarten, Münzen und Banknoten beschließen das insgesamt 5332 Lose umfassende Angebot mit einem Schätzwert von rund 1,2 Mio. Euro.
Der Katalog kann online ab dem 31.Juli 2010 eingesehen werden.
Der gedruckte Katalog sollte Ihnen, wenn die Post mitspielt, ab dem 6.August vorliegen.
Und hier Ablauf und Inhaltsverzeichnis der Auktion:
| 1 | - | 633 | Ägäische Inseln bis Österreichische Post in der Levante |
| 634 | - | 740 | Sonderteil “Österreichische Postämter in der Levante” ex BAILEV |
| 741 | - | 1084 | Österreich Feldpost bis Zypern |
| 1085 | - | 1088 | ÜBERSEE: Aden bis Ägypten |
| 1089 | - | 1256 | Sonderteil Äthiopien “The Jürgen Zahn Collection of Ethiopia” |
| 1257 | - | 1917 | ÜBERSEE: Afghanistan bis Zaire |
| 1918 | - | 1936 | Thematik : Von Ansichtskarten bis Weltraum |
| 1937 | - | 2181 | Philatelistische Literatur, dabei die “Jürgen Zahn Bibliothek” |
| 2182 | - | 2584 | Altdeutschland |
| 2585 | - | 2968 | Altdeutschland |
| 2585 | - | 2968 | Deutsches Reich |
| 2969 | - | 3020 | Zeppelinpost, Stadtpost |
| 3021 | - | 3193 | Dt. Kolonien, Seepost, Marineschiffspost |
| 3194 | - | 3285 | Abstimmungsgebiete, Danzig, Memel, Saar |
| 3286 | - | 3433 | Besetzung 1. und 2. WK, Feldpost |
| 3434 | - | 3612 | Deutschland nach 1945: Lokalausgaben, All. Besetzung, Berlin, SBZ |
| 3613 | - | 3678 | Sonderteil SBZ - Handstempelaufdrucke |
| 3679 | - | 3916 | Deutschland nach 1945: DDR, Frz. Zone, Bi Zone, Bund |
| 3917 | - | 3938 | En gros Posten Deutschland |
| 3939 | - | 4139 | Nachlässe, Kartons, Briefposten, Liquidationsposten |
| 4140 | - | 4705 | DEUTSCHLAND Gesamt und nach Gebieten |
| 4706 | - | 4993 | EUROPA Gesamt, nach Gebieten, länderweise |
| 4994 | - | 5245 | ÜBERSEE Gesamt, erdteilweise, länderweise |
| 5246 | - | 5305 | Motivgebiete, Ansichtskarten |
| 5306 | - | 5332 | Zubehör, Münzen, Banknoten |